Die Sache mit der Menstruation.

„Ich bin keine Feministin.“ Diesen Satz hättet ihr noch vor ein paar Jahren von mir gehört, weil ich alles, was damit zu tun hat, total überzogen und willkürlich fand. Meine Zeit auf Twitter hat mich eines Besseren belehrt. „Ich bin Feministin.“ erzähle ich heute jeder*m, die*der es wissen will. Vorbei die Zeiten, in denen ich mich habe unterbrechen lassen, um mir von jemandem die Welt erklären zu lassen. Vorbei die Zeit, in der ich im Club hingenommen habe, wenn mir jemand an den Hintern fasst. (Naja, ich hab ja auch echt nen kurzen Rock an und es ist sehr voll und ich bin auch ECHT nah an ihm*ihr vorbeigegangen.) Ich benutze Gender-Sternchen inzwischen aus Überzeugung und nicht, weil ich keinen Stress will.

Umso wütender macht mich, was in den letzten Tagen auf Twitter passiert. Seit einigen Tagen dreht sich in meiner Timeline alles um Menstruationstassen und Menstruation an sich. Ja, stell dich drauf ein, darüber werde ich jetzt schreiben. Ich bin SO WÜTEND. Ich habe mir angewöhnt, meine Klappe zu halten wenn in meiner Timeline irgendwelche stressigen Themen behandelt werden, einfach damit ich es mir selbst ein bisschen einfacher mache. Aber selbst Leute die mir am Herzen liegen, fangen an, rumzutrollen und dummes Zeug von sich zu geben. Ich kann meinen Senf da einfach nicht mehr raushalten. Ich erzähle euch gleich mal eine kleine Geschichte, aber erst gibt es ein wenig Hintergrund zur Menstruation. Seit Jahrhunderten werden Menschen mit Menstruation aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenn sie menstruieren. Im Mittelalter galt das Menstruationsblut als unrein, während ihm in der Antike magische Kräfte (die natürlich negativ besetzt waren) nachgesagt wurden. Frauen waren keine eigenständigen Wesen, sondern eine Art „unfertiger Mann“, bei dem es nötig war, monatlich das überflüssige Blut (das beim Mann übrigens „gekocht und als Samen ausgeschieden wurde“) loszuwerden. Erst letztes Jahr starb in Nepal eine Frau, weil sie während ihrer Periode, wie es die Tradition verlangt, allein in einer Hütte war. Warum? Traditionell bringt es Unglück über die Familie, jemand, der menstruiert bei der Familie bleibt. Lasst euch das mal kurz auf der Zunge zergehen.

Klar, es kamen die Zeiten der Aufklärung und die Welt wurde schlauer, aber seit Anbeginn der Zeit ist die Periode ein Tabuthema. Das hat nichts mit „Intimsphäre“ zu tun, wie manche uns gern glauben machen wollen. Es hat damit zu tun, dass wir in einer Welt leben, die von Männern gemacht ist. Jaja, ich nehme das vorweg – #notallmen. Spart es euch, ich weiß, es gibt immer Ausnahmen von der Regel. Aber leider ist es ja so, dass der Großteil der Regierenden, „in charge“-Menschen, Wissenschaftler, Biologen, etcpp Männer sind. Deshalb bäh, geht weg!

Ich habe das Glück, dass ich mit einer großen Schwester und einer sehr aufgeklärten Mama aufgewachsen bin. Mir macht meine Periode keine Angst, und ich ekle mich auch nicht davor. Mich hat sie oft gestresst, bis ich sie dann irgendwann mit der Pille in Schach gehalten habe. Mein erster Freund und ich hatten eine Fernbeziehung, und ich habe die Pille immer durchgenommen, damit ich an den Wochenenden, die wir uns gesehen haben, zur Verfügung stehen konnte. Darum geht es scheinbar. Als Frau hast du Frau zu sein. Rasierte Beine, keine Dehnungsstreifen, straffe Brüste, knackiger Hintern und BITTE KEIN BLUT IRGENDWO. Die Vagina ist nur da, um Dinge hineinzustecken und maximal ein Baby rauszupressen, über andere Dinge wollen wir bitte nicht informiert werden. (Es sei denn, du bist eine Frau mit Penis, dann hoffe ich für dich, dass du da niemals ein Baby durchdrücken musst.)

Meine Periode war einfach immer da, als ich noch die Pille genommen habe. Das erste Mal so richtig damit beschäftigt habe ich mich damit, als ich die Pille abgesetzt habe und plötzlich keinen regelmäßigen Zyklus mehr hatte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie genau man seinen Körper im Auge behalten kann. Es ist ja auch nicht so, dass wir drei Tage bluten und dann ist gut. Nein, es kommen eine Woche schmerzende Nippel dazu, die dich schon mal drauf vorbereiten, dass du bald unrein bist. Die Haut rastet komplett aus, die Haare werden fettig und plötzlich ist man weit entfernt vom Idealbild „Frau“. Dann kommt die Menstruation, meistens mitten in der Nacht oder dann, wenn du gerade in einem wichtigen Meeting sitzt. Bei mir kündigt sie sich nicht durch Schmerzen an, sondern legt fröhlich einfach los und dann, wenn es zu spät ist um sich vorzubereiten, legt mein Uterus los mit Krämpfen. Ich meine nicht Krämpfe, ich meine K R Ä M P F E. Teilweise liege ich morgens erst mal zwanzig Minuten im Bett, bis die Ibuprofen wirkt. Und dann die Sache mit der Hygiene: Tampons. Binden. Tassen. Alles habe ich ausprobiert. Tampons haben mich viele Jahre begleitet, weil sie am praktischsten erschienen. Alles bleibt drin, man schmeißt den lästigen Tampon danach weg und wenn man nach einer Woche Wattestäbchen in seine Muschi schieben eine Reizung hat, ist das halt so. Geht ja nicht anders. Muss ja irgendwie funktionieren. Klar macht man Müll und klar kann man TSS bekommen, aber das ist auch vielleicht nur ein Mythos und man wechselt ja auch alle drei Stunden in der komplett ausgetrockneten Flora einfach alles. Ok, aber wenn der Freund jetzt dran will? Was sagt man denn da? Man will ihn ja nicht verschrecken und er soll einen ja auch noch sexy finden und überhaupt, muss der eigentlich wissen, dass ich menstruiere?

Ja Freunde. So ging es mir mein Leben lang. Letztes Jahr habe ich jemanden gedated, bei dem ich zum ersten Mal übernachten wollte, als ich meine Tage hatte. Natürlich sind die wieder ganz plötzlich gekommen. Kacke! Wir kennen uns ja noch nicht so lange, was MACHE ich denn jetzt? Couragiert durch meine No-Bullshit-Politik aus dem Jahr 2016 habe ich dann gesagt „Äh du, ich hab meine Tage, darf ich trotzdem kommen?“ Und ehrlich Freunde, ich hätte komplett okay gefunden, wenn er nein gesagt hätte. Ehrlich gesagt habe ich das sogar erwartet. Schließlich konnte ich nicht performen. Meine Ladyparts waren ihm in dem Moment nicht zugänglich, also was soll er mit mir? Was hat er gesagt? „Hä, spinnst du? Klar!“ und er hat nicht mal erwartet, dass ich mich „um ihn kümmere“, wie man so schön sagt. Das war das erste Mal (ich war 29!) dass mir irgendwie der Gedanke kam, dass dieses ganze Tabuisieren der Menstruation eine Lächerlichkeit sondergleichen ist.

So. Jetzt zum Thema. Menstruationstassen. Ich benutze meine seit einem Jahr und LIEBE sie. Meine Freundin Inka hat mit ihrem Mann den Tassenfinder entwickelt, damit jeder Mensch die für sich passende Tasse finden kann. Großartiges Gadget, Leute. Umso wütender macht es mich, wenn ich so eine Scheiße lesen muss:

Ehrlich Brudi? Du vergleichst Bilder, die einem unaufgefordert von Schwänzen geschickt werden (übrigens gern mit dem Kommentar “Geiles Bild” o.Ä.) mit einer der natürlichsten Sachen der Welt? Endlich ist die Monatshygiene revolutioniert, ich kann nachts durchschlafen ohne Angst zu haben, morgens in einer Blutlache aufzuwachen und du vergleichst das mit sexueller Belästigung? Menstruationstassen und Menstruation haben NICHTS mit Sex zu tun. Nur weil du (und ich sage du, stellvertretend für alle Menschen, die deiner Meinung sind) nicht handhaben kannst, dass ich (und ich sage ich, stellvertretend für alle Menschen mit Menstruation) nicht 24/7 für deine sexuellen Wünsche zur Verfügung stehe, nimmst du mir das Recht, mich darüber zu freuen, dass ich eine Menstruationstasse benutzen darf? Ich will das nicht mehr. Ich will niemand sein, der nur als Objekt der Begierde angesehen wird und alles, was vielleicht in anderen Augen nicht sexy ist, totschweigen muss. Rate mal? Ich habe auch Dehnungsstreifen und meine Beine sind nicht ständig glattrasiert. Manchmal vergehen Wochen, in denen ich keine Lust habe, meinen Körper in einen für dich akzeptablen Zustand der Paarungsbereitschaft zu bringen. Trotzdem muss ich mir reinziehen, wie Männer sich vor meiner Nase an eine Straßenecke stellen und da hinpissen. Das ist schließlich das natürlichste der Welt, oder? Dass ich keine Lust habe, Menschen beim Verrichten ihrer Notdurft anzugucken interessiert doch auch keinen. Aber warte mal was los ist, wenn ich mal nen roten Blutfleck am Hintern habe, weil MEIN KÖRPER ÜBRIGENS OHNE MEIN ZUTUN Blut verliert. Fast noch schlimmer als solche Tweets finde ich übrigens Frauen, die in die Bresche springen. EVERYBODY BLEEDS. Ob es jetzt aus meiner Vagina oder dem Schnitt im Finger ist, geht dich gar nichts an. Und ob ich jetzt free bleeder bin, meine Monatsblutung mit ner Kaffeetasse auffange oder mir gegerbtes Rindsleder in den Schlübber stecke, kann dir auch einfach echt egal sein. Nichts davon hat dich zu anzuwiedern. Menstruation sollte einfach kein Tabuthema sein. Zieht die Köpfe ausm Arsch, macht eurer Perle ne Wärmflasche und streichelt ihr*ihm den Unterbauch, wenn es ihr*ihm schlecht geht. Kauft ihr*ihm Tampons und Buscopan Plus, wenn sier vor Schmerzen nicht laufen kann. Gebt ihr*ihm nen Moment, wenn sier weinen muss, weil die Katzenbabies keine Mama mehr haben. Aber egal was ihr tut – akzeptiert bitte endlich, dass wir Menstruierenden nicht da sind, um euch zu gefallen. Meine Fresse.

Hoch die Tassen.

Disclaimer: Ich meine mit meinem Text alle Menschen mit Menstruationshintergrund. Es liegt mir fern, menstruierende Männer auszuschließen — bitte fühlt euch mit eingeschlossen. Ich habe den Beitrag, nachdem ich darauf hingewiesen wurde, abgeändert. Ich möchte nochmal in aller Deutlichkeit klarstellen, dass ich die Leute, die ich damit cis sexistisch offended habe, nicht absichtlich, sondern aus Unwissenheit falsch benannt habe. I see you and I’m on your side.

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Dreißig.

Lange hab ich nichts mehr von mir hören lassen. Warum? Weil einfach alles passiert ist in den letzten fünf Monaten. 

Am 30. April saß ich in Berlin in einer Kneipe und habe Mexikaner und Bier aus Pitchern getrunken mit Menschen, denen Teile meines Herzens gehören. Wir diskutierten, wir lachten, wir hatten einen unglaublich schönen Abend. Immer wieder kam die Frage auf „Urte. Warum wohnst du eigentlich nicht hier?“ Scherzhaft hab ich gesagt, dass ich es nicht weiß und einfach demnächst herziehe. Scherzhaft, aber der Gedanke ließ mich nicht los. 

Rewind. Vor zwei Jahren habe ich mich entschlossen, mein Studium abzubrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich bin ein seltsamer Mensch. Ich brauche Struktur und klare Ansagen. Dieses Larifari „komm ich heut nicht komm ich morgen“-Getue in meiner Uni hat mich wahnsinnig gemacht. Okay, nicht wahnsinnig, aber stark depressiv. Das habt ihr alle mitgelesen. Mitbekommen. Ich habe stets gegen mich selbst gekämpft. Ziellos und machtlos, weil ich nicht wusste, wer ich bin. In der Zeit, in der ich nach dem Studium Teilzeit bei einem bekannten Schmuckladen gearbeitet habe, hätte ich zwar ein wenig Struktur, aber immer noch kein Ziel.

Natürlich habe ich mich irgendwann verliebt, weil ich gerne Purpose finde, wo keiner ist. Auch das ging schief. Aber ich hab mich erholt. Mein dreißigstes Lebensjahr war das beste, was ich bisher hatte. Ich bin so stark gewachsen, habe Sachen getan, die ich mich vorher nie getraut hätte und nicht nur klare Ansagen gebraucht, sondern auch welche gemacht. 

Fast forward. Mai 2017. Der Gedanke, Oldenburg zu verlassen hat immer größeren Platz in meinem Kopf eingenommen. Neustart. Aber wie? Ohne Job, ohne Wohnung, ohne Rücklagen? Wie?

Eines morgens, auf dem Weg zur Arbeit, erdrückte mich der Gedanke, diesen Job auf unbestimmte Zeit zu machen so sehr, dass ich auf Twitter nach Hilfe gefragt habe. Und da kamt ihr ins Spiel. Ich glaube, keiner meiner Tweets wurde so oft retweeted wie der, dass ich einen Job in Berlin suche. Ich habe so viele Angebote bekommen und durch euch eine Stelle gefunden, in der ich mich das erste Mal seit immer gewertschätzt, gefordert und gefördert fühle. Ich habe meine Familie zurückgelassen, von denen ich aber weiß, dass sie voll und ganz hinter mir stehen. 

Ich habe meine Comfort-Zone verlassen und wohne jetzt seit vier Wochen in einer 44m2-Zwischenmietwohnung, die ich mir mit meinem Vermieter teile. Auch da habt ihr wieder geholfen- nächste Woche ziehe ich endlich in mein eigenes Reich. Endlich kann ich meinen Kater wieder zu mir holen. Endlich kann ich mich einrichten, wie ich mag. Endlich kann ich komplett ankommen in dieser Stadt, die so groß, beeindruckend, dreckig und laut ist. Ich bin dreißig geworden und fühle mich besser als jemals zuvor. „“

Ich weiß, ich hab mich nicht allein aus dem Dreck gezogen. Ihr (und ihr wisst, wer ihr seid!) habt es mir so leicht gemacht, ich zu werden und anzukommen. Die 30 macht mir keine Angst mehr. Danke, dass ihr meine Freunde seid. Danke, Twitter. 

Danke Berlin. ❤ 

Halt.

Ich möchte was sagen. 

Ich hab echt schon viel über seelischen Schmerz und Beziehungen geschrieben. Über Einsamkeit, Traurigkeit, Hilflosigkeit, Abgründe und Angst. Das Gefühl, komplett allein zu sein auf der Welt. Diese Motivationslosigkeit, die sich morgens auf deine Brust setzt und dich zwingt, im Bett zu bleiben bis es sowieso zu spät ist. 

Darüber, wie es ist, nichts zu fühlen und darüber wie es ist, alles zu fühlen. Das alles ist immer aus einer sehr egoistischen Perspektive geschehen. Natürlich, hier geht es ja auch um mich. 

Aber wisst ihr, worum es bei einer psychisch kranken Person und ihrem/seinen Partner auch geht? Um den Partner. 

“Ich bin so unzufrieden, nichts macht Sinn, ich stecke fest, alles tut weh. Ich brauche einen Freund.” Diesen Satz habe ich neulich gehört und wurde ein wenig grantig. Vielleicht, weil ich kürzlich auf der “Partner”-Seite, wenn man es so nennen will, war. Ein Partner kann vieles. Er kann dich stützen, hinter dir stehen, dafür sorgen, dass du dich sicherer fühlst. Für dich da sein, deine Einsamkeit verdrängen und dein Bedürfnis nach Abstand verstehen. Er kann dir immer wieder versichern, dass alles gut wird. Dass ihr cool seid. Dass er da ist. Er kann die Rolle mit dem Ducttape halten, mit dem du dich zusammenflickst. 

Was ein Partner nicht kann? Dich heilen. Dich retten. Dich tragen. Er glaubt das vielleicht. Du glaubst das ganz sicher. Du brauchst nur jemanden der dich liebt, dann wird schon alles wieder. 

Babe, du hast schon Recht. Aber nicht ein Partner ist das Ziel. DU bist der Schlüssel. Abgedroschen und nervig wie es klingt. Lerne, mit dir allein sein zu können. Lerne, dich selbst zu lieben. Höre auf dich. Kenne deine Grenzen. Kommuniziere deine Grenzen. Lass nicht zu, dass du dich nur vollkommen fühlst, wenn du zu zweit (oder zu dritt, viert, unendlich) bist. 

Ich habe zwei komplette Jahre damit verbracht, mich kennenzulernen. Auf meinen Körper, mein Gefühl, meinen Bauch zu hören. Ich weiß jetzt, dass ich niemanden brauche, der mich heilt. Oder komplettiert. Sondern jemanden, der mein Gleichgestellter ist. Der mich hält, aber den ich auch halten kann. Weil weißt du, ich kann das jetzt. Ich kann auch jemanden halten, und das habe ich nur gelernt, weil ich erstmal mich selbst gehalten habe. 

Danke. 

Rant VI

Das ist so die Sache mit dem Vertrauen. Man hat so ein Gefühl und dann traut man sich nicht, so ganz loszulassen, dieses Seil an dem der Selbstschutz hängt. Und manchmal trifft man Menschen, da weiß man einfach, dass man komplett loslassen kann.

Du warst so jemand. Du hast gemacht, dass ich mein Rettungsseil loslasse und dir alle meine Unsicherheiten serviere. Du hast gemacht dass ich mein Herz aus seinem Schutzpanzer entkommen lasse und du hast dafür gesorgt, dass ich dir vertraue.

Wie leicht ist es gewesen? Du hast genau die richtigen Dinge gesagt und warst genau richtig schwach und genau richtig stark. Und dann hast du mein Rettungsseil verbrannt und mein Herz, dass durch den Schutzpanzer doch keine Hornhaut hatte, einfach pulverisiert.

Wofür, würde ich gern wissen. Hast du überhaupt mal irgendwann die Wahrheit gesagt oder wolltest du einfach nur ficken? Ich würde es so gern wissen, aber ich bin es dir nicht mal wert, mich abzuschießen.

Keine Antworten geben, weil man ja keine Verpflichtungen hat. Du hast so auf schwach und gebrochen gemacht, dass ich wirklich in Sorge war, dir wäre was passiert. Aber eigentlich bist du einfach nur ein Arschloch, habe ich heut erfahren. Dir geht es anscheinend gut. Dass du mich in meinem Leben ungefähr siebentausend Schritte zurückgeführt hast, ist dir wohl egal. Hauptsache, ich hab die Beine breit gemacht.

Danke du Arschloch, dass du dem nächsten vielleicht guten Mann die Chance nimmst, mich kennenzulernen. Ich hoffe du hast für immer Schluckauf.

Ugh.

Wisst ihr was scheiße ist? Liebeskummer ist scheiße. Kackscheiße. Richtig riesengroßer Mist. Und ja, das wird ein Blogeintrag, in dem ich sehr viel fluchen und rumjammern werde.

Jeder, der schon mal verlassen wurde, weiß, wie absolut beschissen es ist, wegen eines anderen Menschen traurig zu sein. Das erste Mal ist das schlimmste. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, obwohl es dieses Jahr neun Jahre her ist. Ich habe meinen damaligen Freund angerufen, wie jeden Abend. Wir haben eine Fernbeziehung geführt, Hannover – Hamburg. Er klang komisch, das weiß ich noch. Unsere Beziehung war kompliziert, natürlich. Ich fragte ihn, ob es ihm gut gehe. Er antwortete: „Ja. Dir aber sicher gleich nicht mehr. Ich verlasse dich wegen [Mädchen XY].“Ich habe einfach aufgelegt. Ich habe aufgelegt, geweint, meinen beste Freund angerufen, geweint, meinen Ex angerufen, ihn angeschrien, geweint und immer noch mehr geweint. Wie viele Tränen sind in einem Menschen? Noch nie bin ich so unendlich verletzt und traurig gewesen. Ich wusste nicht, dass einem das Herz wirklich so wehtun kann. Nicht psychisch, sondern physisch. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand einen eiskalt gefrorenen Stab mitten in die Brust gerammt.

Jeder sagt dir, dass es irgendwann vorbei ist. Jeden Tag wird es ein bisschen besser, ohne dass man es merkt und irgendwann wachst du morgens auf und hast nicht mehr das Gefühl, vor Sehnsucht zerrissen zu werden. Wenn man das allererste Mal Liebeskummer hat, glaubt man das nicht. Niemand hat je den Schmerz gefühlt, den man in dem Moment fühlt. Niemand versteht, wie man leidet. Bis man irgendwann morgens aufwacht und nicht mehr das Gefühl hat, vor Sehnsucht zerrissen zu werden. Wirklich, Liebeskummer geht vorbei. Manchmal dauert er viel zu lange, aber irgendwann geht es vorbei. Das weiß ich. Das weiß jeder, der schon mal Liebeskummer überstanden hat.

Neun Jahre lang habe ich jeden Kummer ausgehalten. Klar, das war nicht nur Liebeskummer. Aber es war häufig Liebeskummer. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Irgendwo hab ich schon mal geschrieben, dass ich mich häufig verliebe. Ich möchte das revidieren – ich verknalle mich häufig. Ich verliebe mich selten. Ich habe mich letzten Oktober das erste Mal seit drei Jahren wieder richtig verliebt. Mit allem. Pauken, Trompeten, Geigen im Himmel und sowas allem. Und wisst ihr, je älter ich werde, desto doller verliebe ich mich. Ich plane die Zukunft, ich denke übers Heiraten nach, also nicht wirklich, aber ich will mich nicht mehr in Menschen verlieben, mit denen ich mir nicht vorstellen kann, gemeinsam alt zu werden.

Ich will gern gemeinsam alt werden. Ich will den ganzen Scheiß, den man haben kann. Häuschen im Grünen, Hund und weißen Gartenzaun. Wenn alles gut läuft, ein oder zwei Minis, die mit dem Hund im Garten spielen. Ich werde dreißig, anscheinend steigt mit wachsendem Alter auch die Spießigkeit. Okay, ich kann damit dealen.

Wisst ihr, womit ich nicht dealen kann? Dass ich jetzt schon WIEDER Liebeskummer haben muss. Und wenn mich nicht alles täuscht, ist es noch nie so verschissen schlimm gewesen. Ich kann seit drei verdammten Wochen nicht mehr aufhören, in den dümmsten Situationen loszuheulen. Vielleicht, weil ich glaube ich dieses Mal wirklich nichts falsch gemacht habe. Ich weiß einfach nicht, warum manche Menschen kein Glück festhalten können. Okay, ihr habt bis hier her gelesen, ich muss mich kurz in Selbstmitleid suhlen. Ich hatte echt richtig Pech. Ich hab vielleicht nen schlechten Geschmack, aber ich hatte einfach auch so viel Pech. Ich bin echt kein schlechter Mensch, ehrlich nicht. Ich bin gepflegt, ganz schlau, seh okay aus, bin warmherzig und empathisch, sagt man mir nach. Ich will das teilen! Ich habe zwei verdammt lange Jahre gebraucht, um den letzten Mann zu finden. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht noch länger warten und ich kann nicht noch tausend Mal diesen ganzen Kram mitmachen. Wisst ihr, diese Verknalltheit, der Himmel ist blau und alles voller piepsender Vögel und sowas, irgendwie holt man irgendwo noch ein bisschen Hoffnung hervor, die durch Küsse und nächtliche Anrufe gestärkt wird. Das ist so das Ding mit der Hoffnung, sie wächst recht schnell, wenn sie erstmal aus der Versenkung gekommen ist. Und dann kommt das eigentliche Problem: Es tut noch viel mehr weh, wenn sie wieder in die Versenkung verschwinden muss. Ich weiß nicht, wie oft ich das noch mitmachen kann. Ich hoffe jedes Mal, dass das nächste Mal das letzte Mal ist. Vielleicht war es aber auch jetzt das letzte Mal und ich vergrabe die Hoffnung auf mein verschissenes Happy End einfach ganz unten im Tresor, da, wo niemand hingucken kann. Wo ich sie vielleicht nie mehr wiederfinde. Keine Ahnung, ich sags euch, wenn ich aufhören kann, zu weinen.

Rant V

Leute. 

Wann haben wir angefangen, uns für unsere Gefühle zu schämen? Ich will nicht als Aufhänger für meinen Post nehmen, was gestern Abend in Berlin passiert ist. Aber ich habe sofort an ungefähr fünfzehn Menschen gedacht, die ich sofort fragen musste, ob es ihnen gut geht. Weil sie mir am Herzen liegen. 

Und dann habe ich heute mit meiner ältesten Freundin darüber gesprochen, wie schnell alles zu Ende sein kann. Wie schnell ist jemand weg, von dem man dachte, dass er* für mindestens immer im Leben bleibt. 

Und darüber, dass sich niemand traut, zu seinen Gefühlen zu stehen, weil man sich damit so verletzlich macht. Wann hat das angefangen? Ab wann konnte man nicht mehr einfach sagen, dass man jemanden mag? Im Kindergarten habe ich meine damalige beste Freundin kennengelernt, weil sie coole Sandförmchen hatte und ich daraufhin sagte “ich will gern deine Freundin sein.” Zack bam. Freunde. 

Heute, in einer Welt die sowieso viel zu wenig Liebe beinhaltet, in der Menschen auf einem Weihnachtsmarkt sterben, Botschafter erschossen werden und Kinder elternlos aus ihrem Land fliehen müssen, ist es anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit, seinen Nächsten zu lieben. Scheiß egal, ob ich jetzt an Gott glaube oder nicht, ich wünschte, es wäre viel normaler, nett und freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein. 

Und wieso muss ich Angst haben, jemandem zu sagen, dass ich in ihn verliebt bin? Ist es nicht das größte Kompliment auf der Welt, dass jemand all deine Macken kennenlernen will und bereit ist, sich festzulegen? Wieso müssen wir so viel Angst haben, schwach zu sein? Wieso werden Gefühle als Schwäche ausgelegt? Ich bin im letzten Jahr persönlich so gewachsen und weiß, dass es ein großer Kraftakt ist, Gefühle überhaupt zuzulassen und zu fühlen. Wirklich zu fühlen. Alles. Und deshalb lasse ich zu, dass ich traurig bin. Dass ich Angst habe vor der Weltentwicklung im nächsten Jahr. Dass mein Herz sich gerade anfühlt, als wäre es entzwei gerissen worden und ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit all der Wut und der Angst und der Traurigkeit, die sich gerade aus verschiedensten Gründen in mir breit macht. 

Aber ich werde mich nie wieder schämen, Gefühle zu gestehen. Ich sage meiner Familie und meinen Freunden jeden Tag, dass ich sie liebe. Es kann alles so schnell vorbei sein. Seid freundlich zueinander. Verbreitet ein wenig Liebe. Lächelt eine*n Fremde*n an. Tut euch was gutes. Nicht nur weil Weihnachten ist, sondern weil wir es alle brauchen. 

Genug.

Manchmal reicht es nicht. Manchmal kann man alles richtig machen und es reicht einfach nicht. 

Gebe ich zu schnell auf? Vielleicht. Vielleicht erkenne ich aber auch nur meine Grenzen und weiß irgendwann, dass es mir nicht reicht, immer nur zu geben. 

Vielleicht hab ich schon wieder zu schnell mein Herz verschenkt. Vielleicht war ich schon wieder zu viel oder zu fordernd, aber hey, ich werde auch nicht jünger. Ich habe so oft diese Betthäschennummer durchgezogen und jedes Mal verloren. Du hast mir Hoffnungen gemacht, dass du mir Sicherheit bieten kannst. Du hast mich angesehen, als wäre ich der Hauptgewinn. Du hast mir hundert Mal gesagt, dass es nicht an mir liegt, und das glaube ich dir. Du hast gesagt, dass ich jemand besseren verdient habe. 

Und weißt du was? Das habe ich. Ich weiß, was ich will. Ich wollte dich, ich habe so sehr gekämpft. Ich habe alles getan, um dir Sicherheit zu geben und trotzdem Freiraum zu lassen. Ich habe schon so viel um dich geweint und bin trotzdem nicht stark genug, dich loszulassen. 

Ich muss dich loslassen. Ich muss dich loslassen. Ich weiß nicht wie. Ich brauche dich, ich brauche so sehr jemanden, der mich in den Arm nimmt und mich in den Schlaf schmust und der meine Hand nimmt und sich in meinen kleinen Weirdheiten verliert. 

Ich könnte eine Liste machen mit Punkten, die ich an dir liebe. Ich weiß nicht mal, ob du meine Augenfarbe kennst. Du weißt nicht, ob du in mich verliebt bist, aber wirst ganz still, wenn ich jemand anderen daten will. 

Ich habe nicht alle Stricke zu dir gekappt, es gibt immer noch ein kleines, dünnes Seil, dass die Verbindung zu dir hält. Vielleicht hältst du dich auch noch daran fest, weil du weißt, dass ich in einem anderen Leben die perfekte Frau für dich wäre. Bitte lass mich gehen, ich mag dich viel zu sehr.